Überblick
Innenräume streichen: was dazugehört und was nicht
Innenräume streichen umfasst das Vorbereiten und Beschichten von Wänden und Decken mit Anstrichstoffen. Dazu gehören Untergrundprüfung, Reinigung, Grundierung, Spachtelarbeiten bei Unebenheiten und mindestens zwei Deckanstriche. Nicht dazu gehören Tapezierarbeiten, das Entfernen alter Tapeten oder das Verputzen von Wänden – das sind eigene Leistungspositionen, die separat angeboten werden.
Auftraggeber sind Eigentümer, Mieter mit Zustimmung des Vermieters und Verwaltungen. Die größte Unsicherheit liegt im Untergrund: Ein mineralischer Putz saugt anders als eine alte Dispersionsfarbe, Gipskarton braucht eine andere Grundierung als Beton. Deshalb ist die Ortsbegehung mit Aufmaß der erste Schritt, bevor ein Preis genannt werden kann.
Ablauf
Ablauf: von der Ortsbegehung bis zur Abnahme
Der Ablauf beginnt mit der Ortsbegehung und dem Aufmaß. Der Betrieb prüft den Untergrund: Feuchtigkeit, Saugfähigkeit, Haftung der alten Beschichtung, Risse und Unebenheiten. Nach DIN 18363 (VOB/C, Fassung 2019-09) ist der Untergrund vom Auftraggeber vorzugeben; Abweichungen werden schriftlich festgehalten. Daraus entsteht das Angebot mit Positionen pro Quadratmeter, getrennt nach Vorbereitung, Grundierung und Deckanstrich. Erst danach beginnt die eigentliche Arbeit.
Die Dauer hängt von Fläche und Trocknungszeiten ab. Für eine 80-Quadratmeter-Wohnung sind drei bis sieben Arbeitstage üblich. Ablauf: Abdecken und Abkleben, Reinigung, Grundierung, Spachtelarbeiten, Zwischenschliff, erster Deckanstrich, Trocknung, zweiter Deckanstrich. Dispersionsfarben trocknen in 6 bis 12 Stunden, Silikatfarben brauchen länger. Bei Gipskartonwänden kommt eine Qualitätsgrundierung nach Herstellerangabe hinzu. Die Trocknungszeiten stehen im technischen Merkblatt des Produkts und sind Teil der Bauzeit.
Beteiligt sind je nach Untergrund zwei Gewerke: Maler und Lackierer für Anstrich und Spachtelarbeiten, Trockenbauer für das Setzen und Verspachteln von Gipskartonplatten. Beide müssen als Meisterbetrieb in der Handwerksrolle eingetragen sein – das ist in Anlage A der Handwerksordnung geregelt. Bei Arbeiten an alten Beschichtungen kann eine Prüfung auf Schadstoffe nötig sein, etwa bei Baujahren vor 1990. Die Abnahme erfolgt nach DIN 18363 bei Tageslicht; Mängel werden schriftlich mit Frist festgehalten.
Budget
Was Innenräume streichen in Euro kostet
Für das Streichen von Innenräumen liegen die Preise in Deutschland je nach Untergrund und Region zwischen 8 und 18 €/m² pro Anstrich (Wandfläche). Ein zweifacher Anstrich in Standardweiß kostet 14–28 €/m², ein deckender Farbwechsel 18–35 €/m². Im ländlichen Raum (z. B. Niedersachsen, Sachsen-Anhalt) liegt man 15–25 % unter dem Großraum München, Stuttgart oder Frankfurt. Stand der Erhebung: 2024/2025, eigene Auswertung von Partnerangeboten.
Die Spanne hängt ab von Untergrundvorbereitung (Spachteln, Schleifen, Grundierung), Raumhöhe, Anzahl der Türen und Fenster (Abkleben), Farbwahl (hochdeckend, pigmentiert) und Zugänglichkeit (leere Wohnung vs. Bewohnt). Auch der Aufwand für das Abdecken von Böden und Möbeln sowie die Anzahl der Anstriche (1, 2 oder 3) beeinflussen den Preis. Ein verbindliches Angebot nach Ortsbegehung ist die Regel.
Preisübersicht
Preise im Detail nach Ausführung
Bundesweit übliche Spannen, ohne Sonderfälle (Denkmalschutz, schwieriger Zugang, gehobene Ausstattung).
| Leistung | Übliche Preisspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Wände streichen (2 Anstriche, Standardweiß) | 14–28 €/m² | Untergrund, Raumhöhe, Abkleben, Region; ländlich günstiger als Ballungsraum |
| Decken streichen (2 Anstriche) | 16–32 €/m² | Erschwerte Zugänglichkeit, Gerüst oder Podest nötig |
| Türen und Zargen lackieren (pro Seite) | 80–150 €/Stück | Anzahl der Türen, Lackart, Schleifaufwand, Ausbau nötig |
| Tapeten entfernen und Untergrund vorbereiten | 6–15 €/m² | Tapetenart, Kleber, Dampfgerät, Spachtelarbeiten inklusive |
| Spachtelarbeiten (Q2–Q3) vor dem Streichen | 10–25 €/m² | Qualitätsstufe, Risse, Löcher, Trocknungszeit |
| Grundierung / Tiefengrund | 3–8 €/m² | Saugarbeit, Flecken, Schimmelresistenz |
| Farbwechsel (dunkel zu hell oder kräftig) | 18–35 €/m² | Mehr Anstriche, hochdeckende Farbe, Pigmentierung |
Gut zu wissen
Wann Sie Innenräume streichen lassen sollten
Ein Anlass für das Streichen von Innenräumen ist der Mieterwechsel oder der Verkauf einer Immobilie: makellose Wände sind oft Vertragsbedingung. Auch nach einem Wasserschaden, einer Renovierung oder dem Entfernen von Tapeten sind die Wände unansehnlich und müssen neu gestrichen werden. Ein weiterer Grund: Vergilbte oder fleckige Oberflächen durch Nikotin, Ruß oder Schimmelbefall (nach fachgerechter Sanierung) erfordern einen Neuanstrich, um die Bausubstanz zu schützen und ein gesundes Wohnklima zu gewährleisten.
Spätestens wenn Risse, abblätternde Farbe oder Kreidezeit sichtbar werden, ist Handlungsbedarf gegeben. Auch vor dem Einzug in eine neue Wohnung oder nach dem Auszug aus einer Mietwohnung (Schönheitsreparaturen) wird häufig ein Malerbetrieb beauftragt. Bei Feuchtigkeitsschäden sollte zuerst die Ursache (Wärmebrücke, undichte Stelle) beseitigt werden, bevor gestrichen wird – sonst droht Schimmel. Ein Sanierungsfahrplan kann helfen, alle Maßnahmen zu koordinieren.
Tipps
Die Tipps von Hanswil vor der Unterschrift
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Vor dem Angebot prüfen
Lassen Sie sich den Untergrund schriftlich beschreiben: mineralisch, gestrichen, tapeziert oder Gipskarton. Ohne diese Angabe ist jede Quadratmeterpauschale ein Blindflug.
Trockenzeit einplanen
Zwischen Grundierung und Deckanstrich liegen je nach Produkt 6 bis 24 Stunden. Wer zu früh streicht, riskiert Blasen und Haftungsprobleme. Ihr Zeitplan muss das auffangen.
Risse nicht überspachteln
Haarrisse im Putz sind meist harmlos. Setzungsrisse über 0,5 mm sollten Sie vor dem Streichen begutachten lassen, sonst kommen sie nach dem Anstrich zurück.
Farbton schriftlich
Nennen Sie im Auftrag den Farbton nach RAL oder NCS, nicht nach Gefühl. Nachträgliche Änderungen kosten Aufpreis und verzögern die Abnahme.
Abnahme dokumentieren
Bei der Abnahme gilt DIN 18363: Prüfen Sie bei Tageslicht, nicht abends mit Baustrahler. Mängel schriftlich festhalten, Frist zur Nachbesserung setzen.
Nachweis der Qualifikation
Ein Meisterbetrieb im Sinne der Handwerksordnung ist in der Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer eingetragen. Das können Sie online prüfen, bevor Sie unterschreiben.
FAQ
Häufige Fragen
Wie viele Quadratmeter Wandfläche kommen bei einer Wohnung mit 80 m² tatsächlich zusammen?
Als Faustregel gilt: Grundfläche mal 3,0 bis 3,5 ergibt die zu streichende Wand- und Deckenfläche. Bei 80 m² Wohnfläche sind das rund 240–280 m², abzüglich Fenster und Türen etwa 220–260 m². Genau rechnet der Betrieb das Aufmaß nach VOB/C, DIN 18363:2019-09, Abschnitt 5 ab. Verlangen Sie das Aufmaß schriftlich – Positionen nach Fläche, nicht nach Pauschale.
Reicht ein Anstrich oder braucht es Grundierung und Spachtelung?
Das entscheidet der Untergrund, nicht der Wunsch. Nach DIN 18363:2019-09 gehören Untergrundprüfung und Vorbehandlung zur Leistung. Kreidende oder saugende Flächen brauchen Tiefengrund, Risse über 0,5 mm werden nach DIN 18533-1:2017-07 nicht einfach überstrichen, sondern gespachtelt. Ein zweiter Anstrich ist bei Farbwechsel oder dunklem Untergrund nötig. Lassen Sie die Positionen im Angebot einzeln ausweisen – sonst zahlen Sie die Spachtelung später nach.
Was kostet das Streichen von Innenräumen pro Quadratmeter in Deutschland?
Nach Markterhebung 2024 liegen die Preise bei 8–14 €/m² für einfachen Anstrich, 18–28 €/m² mit Spachtelung und Grundierung. Regional: ländliches Niedersachsen 7–12 €/m², Großraum München 12–20 €/m². Eine 80-m²-Wohnung komplett kostet so 2.500–5.500 € brutto. Die Werte sind Schätzungen aus Partnerangeboten, keine amtliche Statistik – vergleichen Sie mindestens drei Angebote.
Welche Qualifikation muss der Betrieb für Malerarbeiten nachweisen?
Maler- und Lackiererarbeiten sind zulassungspflichtiges Handwerk nach Anlage A der Handwerksordnung. Der Betrieb muss in der Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer eingetragen sein. Prüfen können Sie das über die Handwerkskammer-Suche oder das Handelsregister. Ein Meisterbetrieb führt den Meisterbrief; Trockenbauer arbeiten häufig als zulassungsfreies Handwerk nach Anlage B1. Für Lackierarbeiten mit Lösemitteln gilt zusätzlich die TRBS 1203.
Wann darf ich nach dem Streichen wieder lüften und einziehen?
Disperionsfarben sind nach 12–24 Stunden überstreichbar, voll belastbar nach 3–5 Tagen. Lösemittelhaltige Lacke brauchen 24–48 Stunden Trocknung; nach TRGS 510 und Herstellerangabe ist währenddessen für Durchlüftung zu sorgen. Bei Schwangeren und Kleinkindern empfiehlt der Umweltbundesamt-Ratgeber, emissionsarme Farben mit dem Blauen Engel zu wählen. Die Abnahme nach VOB/C, DIN 18363:2019-09, erfolgt erst nach vollständiger Trocknung – halten Sie das im Protokoll fest.
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