Überblick
Das Gewerk im Überblick:
Tischler und Schreiner stellen Bauteile aus Holz her und montieren sie vor Ort. Dazu gehören Innentüren, Einbauschränke, Küchen, Treppen, Wandverkleidungen und Fenster. Sie arbeiten nach Kundenwunsch, oft als Einzelanfertigung. Der Unterschied zum Zimmermann: Tischler bearbeiten vor allem Innenausbau und Möbel, Zimmerer tragende Holzkonstruktionen. Viele Betriebe bieten beides an. Die Arbeiten beginnen mit dem Aufmaß, es folgen Werkstattfertigung, Anlieferung und Montage. Die Abnahme erfolgt nach VOB/C, ATV DIN 18355.
Die Qualifikation ist klar geregelt: Tischler ist ein zulassungspflichtiges Handwerk nach Anlage A der Handwerksordnung. Wer den Betrieb führt, braucht den Meisterbrief oder einen gleichwertigen Abschluss und muss in die Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer eingetragen sein. Gesellen haben eine dreijährige Ausbildung. Für bestimmte Arbeiten sind zusätzliche Nachweise nötig: Für den Einbau von Brandschutztüren den Sachkundenachweis nach DIN 4102-4, für Feuchtraumarbeiten den Fachbetrieb nach WHG. Eine Betriebshaftpflichtversicherung mit Deckung für Personenschäden ist Pflicht.
Know-how
Die Kompetenzen eines qualifizierten Betriebs:
Die fachlichen Aufgaben eines ausgebildeten und versicherten Betriebs.
- Aufmaß und Planung: Der Tischler nimmt Rohbaumaße vor Ort und erstellt eine Werkstattzeichnung nach DIN 919-1:2014-08.
- Innentüren: Einbau von Türblättern, Zargen und Beschlägen nach DIN 18101:2014-08, inklusive Schallschutz nach DIN 4109-1:2018-01.
- Einbauschränke: Maßgefertigte Schränke aus Spanplatte, MDF oder Massivholz, Oberflächen nach DIN EN 14322:2017-05.
- Küchen: Montage von Küchenmöbeln und Arbeitsplatten, Anschluss von Spüle und Herd nach VDE 0100-410:2018-06.
- Treppen: Herstellung und Montage von Holztreppen nach DIN 18065:2020-08, inklusive Geländer und Handlauf.
- Fenster und Türen: Einbau von Fenstern und Außentüren nach DIN 18104-1:2018-05, mit Abdichtung nach DIN 18533-1:2017-07.
- Sanierung: Aufarbeiten alter Holzbauteile, Schädlingsbekämpfung nach DIN 68800-1:2019-06, Oberflächenbehandlung nach DIN EN 927-1:2013-05.
Gut zu wissen
Wann Sie einen Fachbetrieb beauftragen sollten
Wenn Sie Einbaumöbel, Türen oder Treppen brauchen, die exakt passen sollen, ist der Tischler die richtige Wahl. Auch bei der Sanierung alter Holzbauteile – etwa bei Schädlingsbefall oder Feuchtigkeitsschäden – sollten Sie nicht selbst Hand anlegen. Ohne Fachkenntnis drohen Bauschäden und der Verlust von Gewährleistung. Der Tischler erkennt, ob das Holz tragfähig bleibt oder ausgetauscht werden muss.
Bei Arbeiten an tragenden Holzkonstruktionen oder beim Einbau von Brandschutztüren ist der Tischler ebenfalls gefragt. Diese Arbeiten erfordern spezielle Nachweise und dürfen nur von qualifizierten Betrieben ausgeführt werden. Auch wenn Sie Förderung nutzen wollen – etwa für energetische Sanierung – braucht es einen Fachbetrieb, der die Voraussetzungen erfüllt. In allen Fällen gilt: Erst prüfen lassen, dann beauftragen.
Budget
Stundensatz und typische Arbeiten
Der Stundensatz für Tischler- und Schreinerarbeiten liegt 2025 in Deutschland bei 45–70 € pro Arbeitsstunde (Geselle) zzgl. 19 % MwSt. Hinzu kommen Fahrtkosten von 0,50–0,90 €/km oder Pauschalen von 30–60 € pro Einsatz. Die Stundensätze basieren auf einer Markterhebung der Handwerkskammern und Betriebsvergleichen 2024/2025.
Regional variieren die Sätze um 20–35 %: Im ländlichen Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt werden 40–55 €/h verlangt, im Großraum München, Stuttgart oder Hamburg 60–85 €/h. Notdienstzuschläge außerhalb der Geschäftszeiten, an Wochenenden oder Feiertagen betragen 50–100 % Aufschlag auf den Stundensatz, mindestens jedoch 80–120 € Anfahrtspauschale.
Preisübersicht
Preise im Detail nach Ausführung
Bundesweit übliche Spannen, ohne Sonderfälle (Denkmalschutz, schwieriger Zugang, gehobene Ausstattung).
| Leistung | Übliche Preisspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Einbauschrank nach Maß (pro laufender Meter) | 800–2.500 €/lfm | Material, Ausstattung, Region; ländlich 15–25 % günstiger |
| Innentür einbauen (inkl. Zarge und Drücker) | 250–600 €/Stück | Türblatt, Zarge, Beschlag, Montage; Schallschutz erhöht Preis |
| Küche montieren (ohne Elektro- und Sanitäranschlüsse) | 1.200–3.500 € pauschal | Umfang, Küchengröße, Anpassungsarbeiten; Elektrik extra |
| Massivholztisch nach Maß (Esche, Eiche) | 1.500–4.000 € | Holzart, Größe, Oberfläche; regionale Holzpreise variieren |
| Holzfenster einbauen (pro Stück) | 600–1.500 €/Stück | Größe, Verglasung, Wärmeschutz; Förderung möglich |
| Stundensatz Geselle | 45–70 €/h | Ballungsraum 60–85 €/h, ländlich 40–55 €/h |
| Notdienstzuschlag (außerhalb der Geschäftszeiten) | 50–100 % Aufschlag | Mindestens 80–120 € Anfahrt; Wochenende/Feiertag |
Tipps
Die Tipps von Hanswil vor der Unterschrift
🧰 Hanswil, unser Maskottchen, teilt seine Tipps und praktischen Hinweise, damit Ihr Vorhaben gelingt. Wer ist Hanswil?
Aufmaß vor Ort
Lassen Sie das Aufmaß immer vom ausführenden Betrieb machen. Nur so stimmen Rohbaumaß und Fertigmaß überein – sonst passen Tür oder Schrank nicht.
Meisterbrief prüfen
Fragen Sie nach dem Meisterbrief und der Eintragung in die Handwerksrolle. Das können Sie bei der zuständigen Handwerkskammer online prüfen.
Schallschutz ansprechen
Bei Innentüren im Mehrfamilienhaus: Verlangen Sie den Nachweis nach DIN 4109-1:2018-01. Ohne Schalldämmmaß wird es laut.
Holzfeuchte messen
Bevor Einbaumöbel an Außenwände kommen, prüfen Sie die Holzfeuchte. Sie sollte 12–15 % nicht überschreiten, sonst verzieht sich das Holz.
Angebot vergleichen
Achten Sie auf identische Positionen: Material, Oberfläche, Beschläge, Montage. Nur so sind Angebote wirklich vergleichbar.
Abnahme dokumentieren
Bei der Abnahme: Mängel sofort schriftlich festhalten und Fristen setzen. Das schützt Sie vor späteren Streitigkeiten.
FAQ
Häufige Fragen
Was kostet ein Einbauschrank nach Maß vom Tischler?
Ein Einbauschrank nach Maß kostet 2025 zwischen 800 und 2.500 € pro laufendem Meter, abhängig von Material (Spanplatte, Massivholz, furniert), Ausstattung (Schubladen, Spiegel, Beleuchtung) und Region. Im ländlichen Raum liegt der Preis 15–25 % niedriger als in Ballungsräumen. Ein Angebot sollte Aufmaß, Materialliste, Montage und Entsorgung enthalten. Förderung ist nur bei denkmalgeschützten Einbauten möglich.
Welche Normen gelten für Innentüren vom Schreiner?
Für Innentüren gelten DIN 18101 (Türblätter und Zargen), DIN 18100 (Türöffnungen) und DIN 4109-1:2018-01 für Schallschutz. Rauchschutztüren müssen DIN 18095-1 entsprechen und ein Prüfzeichen haben. Der Schreiner muss die Tür nach Herstellerangaben einbauen und die Funktion prüfen. Bei Brandschutztüren ist zusätzlich ein Verwendbarkeitsnachweis nach Landesbauordnung nötig.
Wie erkenne ich einen qualifizierten Tischlerbetrieb?
Ein qualifizierter Tischlerbetrieb ist in der Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer eingetragen und führt die Bezeichnung Meisterbetrieb. Die Meisterprüfung im Tischlerhandwerk umfasst Gestaltung, Technik und Betriebswirtschaft. Prüfen Sie den Eintrag über die Handwerkskammer-Suche oder das Handelsregister. Für bestimmte Arbeiten (z. B. Brandschutztüren) ist ein Sachkundenachweis erforderlich. Lassen Sie sich Referenzen und Versicherungsnachweise zeigen.
Welche Förderungen gibt es für Tischlerarbeiten?
Direkte Förderungen für Tischlerarbeiten sind selten. Bei energetischer Sanierung können Aufdachdämmung oder Fenstereinbau über KfW-Programm 458 (ab 2025) oder BAFA-BEG-Einzelmaßnahmen bezuschusst werden, wenn ein Tischler die Arbeiten ausführt. Denkmalgeschützte Einbauten können nach Landesrecht steuerlich abgesetzt werden. Prüfen Sie die Förderdatenbank des Bundes und die Richtlinien der Länder. Anträge vor Baubeginn stellen!
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