Überblick
Das Gewerk im Überblick:
Der Solarteur ist der Fachbetrieb für Planung, Montage und Inbetriebnahme von Photovoltaik-, Solarthermie- und Speicheranlagen. Er übernimmt Dachverankerung, Stringverdrahtung, Wechselrichteranschluss und die Anmeldung beim Netzbetreiber. Typische Leistungen sind Aufmaß, Unterkonstruktion, Modulmontage, elektrische Prüfung nach DIN VDE 0100-600:2017-06 und Übergabe mit Abnahmeprotokoll. Er arbeitet eng mit Dachdeckern, Elektrikern und Statikern zusammen, weil die Dachlast und die Elektroinstallation eigene Gewerke berühren.
Die Qualifikation ist nicht einheitlich geregelt: Ein Solarteur ist entweder Elektrotechnikermeister mit Eintrag in der Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer oder ein eingetragener Fachbetrieb mit qualifiziertem Elektrofachpersonal. Für den Netzanschluss ist die Eintragung als Installateur beim Netzbetreiber nötig. Pflichtversicherungen sind Betriebshaftpflicht mit Deckung für PV-Anlagen (mindestens 3 Mio. € pauschal) und eine Berufshaftpflicht für Planungsleistungen. Zusätzlich ist der Sachkundenachweis nach TRBS 1203 für Arbeiten an elektrischen Anlagen erforderlich.
Know-how
Die Kompetenzen eines qualifizierten Betriebs:
Die fachlichen Aufgaben eines ausgebildeten und versicherten Betriebs.
- Aufmaß und Dachvermessung inklusive Prüfung der Dachneigung, Ausrichtung und Verschattung nach DIN 5034-1:2011-07.
- Auslegung der Module und Strings mit Simulationssoftware, Ertragsprognose nach Standort und Modultemperatur.
- Montage der Unterkonstruktion mit Dachhaken und Schienen nach Herstellerfreigabe und DIN 1055-4:2005-03 für Windlast.
- Elektrische Installation der Gleichstromseite mit Stringkabeln, Überspannungsschutz und Trennschalter nach DIN VDE 0100-712:2016-10.
- Anschluss des Wechselrichters und Netzanschluss nach VDE-AR-N 4105:2018-11 sowie Anmeldung im Marktstammdatenregister.
- Inbetriebnahme mit Isolationsmessung, Funktionsprüfung und Dokumentation nach DIN VDE 0100-600:2017-06.
- Einbau und Anschluss von Batteriespeichern nach DIN VDE 0510-2:2019-06 und Herstellervorgaben.
Gut zu wissen
Wann Sie einen Fachbetrieb beauftragen sollten
Wenn Sie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach planen, reicht ein Elektriker allein nicht aus: Der Solarteur übernimmt die Dachmontage, die elektrische Auslegung und die Anmeldung. Auch bei der Nachrüstung eines Speichers oder der Erweiterung einer bestehenden Anlage ist der Fachbetrieb gefragt. Eigenleistung an der Elektroinstallation ist ohne Eintrag in die Handwerksrolle nicht zulässig und gefährdet die Förderung.
Bei einem Dachschaden nach Sturm oder einem Wechselrichterdefekt sollten Sie ebenfalls einen Solarteur rufen. Er prüft die Anlage, tauscht Komponenten und stellt die Netzanschlussfähigkeit wieder her. Für die reine Dachsanierung brauchen Sie zusätzlich einen Dachdecker – der Solarteur demontiert und montiert die Module, nicht die Dachziegel.
Budget
Stundensatz und typische Arbeiten
Der Stundensatz eines Solarteur-Meisterbetriebs liegt 2024 bei 65–95 €/h, für Helfer bei 45–60 €/h. Hinzu kommt die Anfahrt: 0,50–0,80 €/km, bei Großanlagen oft pauschal 80–150 €. Die Abrechnung erfolgt meist nach Aufmaß und Projektstunden, nicht nach reinen Montagestunden. Stand: eigene Auswertung von 312 Partnerangeboten 2024, Methode: Median je Gewerk.
Regional weichen die Sätze um 18–30 % ab: ländliches Niedersachsen 55–75 €/h, Großraum München 85–120 €/h. Ein Notdienst am Wochenende schlägt 50–100 % auf, nachts bis 150 %. Die Preise stammen aus Markterhebung 2024, nicht aus amtlicher Statistik. Für Förderprojekte nach KfW 458 oder BAFA-BEG gelten oft Festpreise pro kWp.
Preisübersicht
Preise im Detail nach Ausführung
Bundesweit übliche Spannen, ohne Sonderfälle (Denkmalschutz, schwieriger Zugang, gehobene Ausstattung).
| Leistung | Übliche Preisspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Photovoltaikanlage montieren (bis 10 kWp) | 1.200–1.800 €/kWp | Dachform, Ziegelart und Gerüstkosten variieren regional um 25 %. |
| Balkonkraftwerk anmelden und montieren | 150–350 € | Aufwand für Marktstammdatenregister und Netzbetreiber, oft Pauschale. |
| Batteriespeicher einbauen (5–10 kWh) | 4.500–9.000 € | Zellchemie, Notstromfähigkeit und Förderfähigkeit nach KfW 458. |
| Wärmepumpe einbauen (Luft-Wasser) | 12.000–22.000 € | Gebäudedämmung, Heizlast und BAFA-BEG-Förderung senken den Preis. |
| Heizung auf Wärmepumpe umstellen | 3.000–8.000 € | Hydraulischer Abgleich, Heizkörpertausch und Rohrleitungsanpassung. |
| Wartung und Prüfung nach DIN EN 62446-1 | 180–350 €/Jahr | Anlagenzahl, Speicher und Reinigungsaufwand bestimmen den Preis. |
| Dachsanierung vor Solarmontage | 90–220 €/m² | Ländliches Niedersachsen 90–140 €/m², Großraum München 150–220 €/m². |
Tipps
Die Tipps von Hanswil vor der Unterschrift
🧰 Hanswil, unser Maskottchen, teilt seine Tipps und praktischen Hinweise, damit Ihr Vorhaben gelingt. Wer ist Hanswil?
Dach vorher prüfen
Bevor Sie Module bestellen: Lassen Sie die Dachsubstanz prüfen. Ein Solarteur montiert auf jedes Dach – aber eine Sanierung nach der Montage kostet Sie doppelt.
VDE-Norm verlangen
Verlangen Sie im Angebot den Nachweis nach VDE 0100-712:2016-10 und VDE-AR-N 4105:2018-11. Ohne diese Nachweise riskieren Sie den Netzanschluss.
Speicher richtig dimensionieren
Ein Speicher von 1 kWh pro 1.000 kWh Jahresverbrauch ist eine Faustregel. Zu groß gewählt, amortisiert er sich nie. Lassen Sie sich den Bedarf vorrechnen.
Förderung vor Beginn sichern
KfW-Programm 270 oder 458? Beantragen Sie die Förderung, bevor der erste Handwerker kommt. Nachträglich gibt es kein Geld.
Netzanschluss nicht vergessen
Der Netzbetreiber muss die Anlage vor Inbetriebnahme freigeben. Rechnen Sie mit 4–8 Wochen Bearbeitungszeit. Ihr Solarteur sollte das für Sie übernehmen.
Messkonzept klären
Bei Überschusseinspeisung brauchen Sie ein Messkonzept. Klären Sie vorab, ob ein Zweirichtungszähler oder ein separater Erzeugungszähler nötig ist.
FAQ
Häufige Fragen
Welche Normen muss ein Solarteur bei der Montage einhalten?
Maßgeblich sind DIN VDE 0100-712:2016-10 für Photovoltaik-Stromversorgungssysteme, DIN EN 62446-1:2019-04 für Prüfung und Dokumentation sowie die TAB der Netzbetreiber. Für Dachabdichtung gilt DIN 18531-1:2017-07, für Unterkonstruktionen DIN EN 1991-1-4:2010-12. Der Solarteur muss die Auslegung nach VDE-AR-N 4105:2018-11 nachweisen. Lassen Sie sich das Prüfprotokoll nach DIN EN 62446-1 vor der Abnahme aushändigen.
Welche Qualifikation muss ein Solarteur in Deutschland haben?
Der Betrieb muss in der Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer eingetragen sein, in der Regel als Elektrotechniker-Handwerk. Für Dachmontage ist zusätzlich das Dachdeckerhandwerk oder eine Ausnahmebewilligung nötig. Der Meisterbrief im Elektrotechniker-Handwerk ist Pflicht für Arbeiten am Netzanschluss. Zertifizierungen wie „Fachbetrieb nach WHG“ oder „Sachkundiger nach TRBS 1203“ sind für Speicher relevant. Prüfen Sie den Eintrag öffentlich bei der Handwerkskammer.
Was kostet die Planung und Anmeldung einer Photovoltaikanlage?
Die Planung inklusive Verschattungsanalyse und Ertragsprognose kostet 800–1.500 €, die Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister 150–350 €. Ein Sanierungsfahrplan nach BAFA kostet 500–1.300 €, wird aber mit 80 % bezuschusst. Die Anmeldung im Marktstammdatenregister ist für Sie kostenfrei, der Solarteur übernimmt sie meist im Pauschalpreis. Stand 2024, regionale Abweichung ±20 %.
Wie prüfe ich ein Angebot für eine Solaranlage sachlich?
Vergleichen Sie kWp-Preis, Modulwirkungsgrad, Wechselrichtertyp und Speicherkapazität. Verlangen Sie den Nachweis der Handwerksrolle, die Angabe der Normen DIN VDE 0100-712:2016-10 und DIN EN 62446-1:2019-04 sowie das Prüfprotokoll. Prüfen Sie Förderfähigkeit nach KfW 458 oder BAFA-BEG. Die Verbraucherzentrale und Stiftung Warentest bieten unabhängige Marktvergleiche. Achten Sie auf das Datum der Fassung, nicht auf undatierte Angaben.
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