Überblick
Was Elektrik im Altbau sanieren wirklich umfasst
Elektrik im Altbau sanieren heißt nicht, nur neue Steckdosen zu setzen. Es heißt: Leitungen prüfen und ersetzen, Schutzleiter nachrüsten, FI-Schutzschalter einbauen, Zählerplatz und Unterverteilung erneuern sowie alle Stromkreise nach DIN VDE 0100-410:2018-06 absichern. Betroffen sind Gebäude vor 1973, in denen zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter üblich waren, sowie Häuser mit Aluminiumleitungen oder klassischer Nullung. Auch wer nur einzelne Räume modernisiert, muss die Schutzmaßnahmen für den gesamten betroffenen Stromkreis herstellen – das schreibt die Norm vor.
Die größte Hürde ist die Bausubstanz: In Fachwerk, Lehmputz oder Betondecken lassen sich Leitungen nicht immer unterputz führen. Dann kommen Aufputzkanäle, Hohlwanddosen oder Fußbodenkanäle zum Einsatz. Wer zusätzlich eine Wärmepumpe plant, muss nach GEG § 71 (Gebäudeenergiegesetz, Fassung 2024) den Zählerplatz und die Hauptverteilung für hohe Dauerlasten auslegen. Die Sanierung ist also immer ein Zusammenspiel aus Elektrotechnik, Bauphysik und Förderrecht – und sie beginnt mit einer Ortsbegehung, nicht mit einem Angebot aus der Ferne.
Ablauf
Ablauf, Dauer und wer auf der Baustelle arbeitet
Der Ablauf beginnt mit dem Aufmaß und einer Ortsbegehung durch einen Elektromeister. Dabei werden Leitungsquerschnitte, Schutzleiter, FI-Bestand und Zählerplatz aufgenommen und mit der geltenden TAB des Netzbetreibers abgeglichen. Danach folgt die Demontage alter Leitungen und Verteiler, das Stemmen von Schlitzen oder das Verlegen von Aufputzkanälen. In dieser Phase arbeiten Elektriker und Elektrohelfer, bei Stemm- und Putzarbeiten zusätzlich Stuckateure oder Maurer. Die Rohbaumaße für Dosen und Verteiler werden nach DIN 18015-3:2016-10 gesetzt, damit Schalterhöhen und Abstände stimmen. Erst wenn alle Leitungen liegen, wird verputzt, dann folgt die Montage von Schaltern, Steckdosen und Verteilern.
Die Dauer hängt vom Umfang ab: Eine vollständige Sanierung eines Einfamilienhauses mit 100 m² Wohnfläche dauert in der Regel zwei bis drei Wochen bei durchgehender Belegung, eine raumweise Sanierung entsprechend länger. Die Elektrofachkraft ist dabei nicht durchgehend vor Ort – Stemmarbeiten, Putz und Trockenbau laufen parallel oder dazwischen. Wichtig ist die Abstimmung mit dem Netzbetreiber: Der Zählerplatz darf nur von einem eingetragenen Elektroinstallationsbetrieb geändert werden, und die Freischaltung erfolgt erst nach Vorlage des Messprotokolls. Wer eine Wärmepumpe nachrüstet, sollte den Zählerplatz in derselben Maßnahme mit sanieren, weil sonst zweimal freigeschaltet werden muss.
Nach Abschluss der Arbeiten steht die Abnahme: Der Elektromeister misst Schleifenimpedanz, Isolationswiderstand und FI-Auslösezeiten und dokumentiert alles im Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600:2017-06. Dieses Protokoll ist die Grundlage für Versicherung, Förderung und späteren Verkauf. Für die Förderung über KfW-Programm 458 oder BAFA-BEG-Einzelmaßnahme muss der Antrag vor Beginn gestellt werden; die Förderdatenbank des Bundes nennt die aktuellen Konditionen. Die Qualifikation lässt sich in der Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer prüfen, die Eintragung als Elektroinstallationsbetrieb beim Netzbetreiber ist zusätzlich erforderlich. Erst wenn beides vorliegt, darf der Betrieb die Anlage anmelden und in Betrieb nehmen.
Budget
Was kostet Elektrik im Altbau sanieren?
Die Kosten für die Sanierung der Elektrik im Altbau liegen bundesweit bei 80–140 €/m² Wohnfläche bei vollständiger Neuinstallation inklusive Leitungen, Schlitzen und Unterputzdosen. Einzelne Maßnahmen wie der Austausch des Sicherungskastens kosten 1.200–2.800 €. Im ländlichen Raum (z. B. Eifel, Altmark) liegen die Preise 15–25 % niedriger, im Großraum München, Stuttgart oder Frankfurt 20–35 % höher (Markterhebung 2024, eigene Auswertung von Partnerangeboten).
Die Spanne hängt vom Baujahr und Zustand ab: Bei Häusern vor 1950 sind oft Bleileitungen und klassische Nullung vorhanden, was zusätzliche Messungen und Dokumentation nach DIN VDE 0100-600:2017-06 erfordert. Massivwände aus Ziegel oder Beton erhöhen den Aufwand für Schlitze und Stemmarbeiten. Eine abgehängte Decke oder ein trockener Estrich senken die Kosten, weil Leitungen ohne Stemmarbeiten verlegt werden können (Schätzung, Unsicherheitsbereich ±15 %, Stand 2024).
Preisübersicht
Preise im Detail nach Ausführung
Bundesweit übliche Spannen, ohne Sonderfälle (Denkmalschutz, schwieriger Zugang, gehobene Ausstattung).
| Leistung | Übliche Preisspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Komplette Elektroinstallation im Altbau (Neuinstallation) | 80–140 €/m² Wohnfläche | Regionale Abweichung: ländlich 70–110 €/m², Ballungsraum 100–170 €/m², inkl. Schlitze, Leitungen, Dosen. |
| Sicherungskasten erneuern (Zählerschrank, Unterverteilung) | 1.200–2.800 € pauschal | Abhängig von Anzahl Stromkreise, RCDs und Zählerplatz nach TAB 2019. |
| Leitungen erneuern (Unterputz, NYM-J 3x1,5 mm²) | 18–35 €/m² (ml) | Massivwand teurer als Trockenbau; Schlitzen und Verputzen inklusive. |
| Schlitze stemmen und verschließen (Mauerwerk) | 12–28 €/m² (ml) | Beton und Kalksandstein am oberen Ende, Ziegel und Porenbeton günstiger. |
| Fehlerstromschutzschalter (RCD) nachrüsten | 180–350 € pro Stromkreis | Typ A oder B je nach Verbraucher; FI/LS-Kombination teurer. |
| Messprotokoll und Dokumentation nach DIN VDE 0100-600 | 250–600 € pauschal | Pflicht bei Neuanlage; Umfang abhängig von Anzahl Stromkreise und Messpunkten. |
| Blitzschutz und Überspannungsschutz (äußerer und innerer) | 1.500–4.500 € pauschal | Nach DIN EN 62305:2011-10; nur bei exponierten Lagen oder Versicherungsauflage. |
Gut zu wissen
Wann Elektrik im Altbau sanieren?
Ein klarer Auslöser ist der Kauf oder Bezug eines Altbaus, wenn die Elektroinstallation älter als 35 Jahre ist oder noch klassische Nullung (TN-C-System) vorliegt. Auch der Einbau einer Wärmepumpe oder Wallbox löst häufig eine Sanierung aus, weil der vorhandene Zählerplatz und die Leitungsquerschnitte nicht ausreichen. Nach einem Wasserschaden oder bei wiederkehrenden Sicherungsausfällen sollte die Anlage nach DIN VDE 0100-410:2018-06 geprüft werden.
Ein weiterer Anlass sind geplante Umbauten: Neue Bäder, Küchen oder der Dachgeschossausbau erfordern zusätzliche Stromkreise und Fehlerstromschutzschalter (RCD) nach DIN VDE 0100-410:2018-06. Wenn Sie eine Förderung nach KfW-Programm 458 oder BAFA-BEG-Einzelmaßnahme beantragen, verlangt der Energieberater oft einen aktuellen Elektro-Sanierungsfahrplan. Spätestens wenn die Versicherung nach einem Brand oder Blitzeinschlag die Anlage bemängelt, ist der Handlungsbedarf akut (Schätzung, Stand 2024).
Tipps
Die Tipps von Hanswil vor der Unterschrift
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Erst prüfen, dann bohren
Lassen Sie vor jeder Elektrik im Altbau sanieren den Schutzleiter und den FI prüfen. Fehlt der Schutzleiter, ist jede Steckdose ein Risiko – das ist keine Kleinigkeit, das ist die Grundlage.
Zählerplatz zuerst klären
Der Zählerplatz gehört dem Netzbetreiber, nicht Ihnen. Fragen Sie vor der Planung bei Ihrem Netzbetreiber nach, welche TAB gilt – sonst zahlen Sie zweimal.
Dokumentation verlangen
Verlangen Sie nach der Abnahme Messprotokoll, Stromlaufplan und Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600. Ohne diese Papiere bekommen Sie später keinen Nachweis für Versicherung oder Verkauf.
Nicht alles gleichzeitig
Sanieren Sie raumweise, wenn das Budget knapp ist. Aber legen Sie die Hauptleitung und den Zählerplatz immer zuerst – sonst reißen Sie später wieder Wände auf.
Förderung vor Auftrag
KfW 458 und BAFA-BEG verlangen den Antrag vor Vorhabenbeginn. Wer erst nach der Bestellung beantragt, verliert den Fördertopf – das ist keine Formalie, das ist Geld.
Handwerksrolle prüfen
Schauen Sie in die Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer. Ein Meisterbetrieb für Elektrotechnik ist Pflicht – ein „Fachmann“ ohne Eintrag darf die Abnahme nicht unterschreiben.
FAQ
Häufige Fragen
Wann muss die Elektroinstallation im Altbau vollständig erneuert werden und wann genügt eine Teilsanierung?
Maßgeblich ist der Zustand, nicht das Baujahr: Altanlagen ohne Schutzleiter, mit klassischer Nullung oder ohne Fehlerstrom-Schutzeinrichtung gelten nach DIN VDE 0100-410:2018-06 und DIN VDE 0100-600:2017-06 als nicht mehr normgerecht. Bestehen bleibt eine Anlage meist nur, wenn Leitungsquerschnitte, Isolationswiderstand und Schutzleiteranschluss bei der Ortsbegehung nachweislich in Ordnung sind. Andernfalls ist die Erneuerung der Stromkreise der Regelfall – rechnen Sie mit 90–180 €/m² Wohnfläche, Schätzung 2024.
Welche Nachweise und Messprotokolle muss der Elektriker nach der Sanierung übergeben?
Zum Abschluss gehört ein Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600:2017-06 mit Messwerten zu Isolationswiderstand, Schleifenimpedanz, RCD-Auslösezeit und Schutzleiterdurchgängigkeit. Verlangen Sie außerdem den Stromlaufplan, die Dokumentation der Stromkreise und die Konformitätserklärung nach DIN VDE 0100-510:2014-10. Ohne diese Unterlagen ist die Abnahme unvollständig – und der Netzbetreiber kann den Zähleranschluss verweigern. Prüfen Sie den Betrieb vorab in der Handwerksrolle Ihrer Handwerkskammer.
Was kostet die Elektrosanierung einer 80-m²-Altbauwohnung inklusive neuer Zähleranlage?
Für 80 m² liegen die Kosten 2024 je nach Umfang bei 9.000–16.000 € im ländlichen Raum (etwa Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt) und bei 14.000–24.000 € im Großraum München, Stuttgart oder Frankfurt. Enthalten sind üblicherweise Zählerschrank, Unterverteilung, Leitungen, Schalter, Steckdosen und RCDs. Hinzu kommen 400–900 € für das Aufstemmen und Verschließen der Wände. Die Spannen beruhen auf eigenen Auswertungen von Partnerangeboten 2024.
Muss ich bei einer Elektrosanierung im Altbau Förderung beantragen – und welche Programme greifen?
Eine reine Elektrosanierung ist nicht förderfähig. Förderung gibt es nur im Verbund mit energetischen Maßnahmen: KfW-Programm 458 (Heizungsförderung, Zuschuss bis 70 %), BAFA-BEG-Einzelmaßnahmen nach BEG-EM-Richtlinie (Fassung 2024) oder Länderprogramme wie die L-Bank Baden-Württemberg. Eine Elektrovorleistung kann als Nebenmaßnahme anerkannt werden, wenn sie im Sanierungsfahrplan nach DIN 18599-10:2018-09 begründet ist. Prüfen Sie den Stand in der Förderdatenbank des Bundes.
Wie lange dauert die Sanierung der Elektrik im Altbau und wie läuft die Abnahme ab?
Für eine 80-m²-Wohnung rechnen Betriebe mit 5–10 Arbeitstagen, bei denkmalgeschützten Bauten oder verputzten Massivwänden mit 2–3 Wochen. Die Abnahme erfolgt nach Fertigstellung durch gemeinsame Ortsbegehung mit Messprotokoll nach DIN VDE 0100-600:2017-06. Lassen Sie sich die Messwerte im selben Termin erklären und im Übergabeprotokoll festhalten. Erst danach erfolgt die Schlussrechnung – behalten Sie bis dahin 5 % Einbehalt nach VOB/B § 17 ein.
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